Wie vor 70 Jahren auf dem Dorf eine Schule gebaut wurde

Vor 70 Jahren wurde in Ruppertshofen das neu gebaute Schulhaus eingeweiht

2009 Tagen jährte sich der Todestag des Ehrenbürgers von Ruppertshofen, Prof. Dr. rer. nat. Dr.-Ing. E. h. Jonathan Zenneck, zum 50. Mal. Die nach ihm benannte Grundschule hat heute ebenfalls Grund zum Feiern, denn vor genau 70 Jahren wurde das damals neu gebaute Schulhaus seiner Bestimmung übergeben. Damals hieß sie noch schlicht "Volksschule", verfügte neben den beiden Schulsälen auch noch über zwei Lehrerwohnungen und beherbergte im Keller die "Kochschule".

Das aufgrund rückläufiger Schülerzahlen wieder aktuell gewordene Thema "jahrgangsübergreifender Unterricht" war damals gängige Praxis. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, dass ein einziger Lehrer gleichzeitig und in einen Raum die Klassenstufen 1 bis 4 unterrichtete, während sein Kollege im Raum nebenan den Klassen 5 bis 8 das intellektuelle Rüstzeug für Leben und Beruf vermittelte. Von Fachräumen hat man damals noch nicht einmal geträumt _ und doch hat diese Dorfschule unzählige erfolgreiche Handwerker etc. hervorgebracht. Und immer wieder schafften es junge Ruppertshofener auch auf weiterführende Schulen, machten das Abitur und gingen auf die Universität.

Aufgrund zweifacher Erweiterungen ist das damals eingeweihte Schulhaus heute der "Altbau" und wird von anderen Gebäuden eingerahmt. Seinerzeit war der Neubau jedoch am Ortsrand, quasi auf freiem Feld, entstanden. Den für ein Dorf recht großen Schulhof hat man in der Nazi-Zeit als zentralen Exerzierplatz für die umliegenden Gemeinden angelegt. Nur wenige der Neubürger von Ruppertshofen wissen, dass auch das zuvor genutzte Schulhaus von Ruppertshofen noch steht. Es befindet sich am Ende der Sackgasse "Ackermannweg", wurde schon vor Jahrzehnten in private Hand verkauft und dient seither als Wohnhaus.

In den 30er-Jahren ein großes Schulhaus zu bauen – mit einem massiv gemauerten Keller und Erdgeschoss sowie einem Obergeschoss aus Fachwerk – war schon ein besonderes Ereignis. Denn alles war mit sehr viel schweißtreibender Handarbeit verbunden. Anhand der historischen Fotos kann man erkennen, dass sogar tiefschürfende Erdarbeiten nicht mit dem Bagger, sondern mit Hacken und Schaufeln erledigt wurden. Auch die Zimmerleute mussten beim Aufrichten des Fachwerks sowie des großen Dachstuhls kräftig zupacken.

Interessant ist auch ein Blick auf die damalige Handwerkerliste, denn die Gewerbestruktur hat sich seither deutlich verändert. Im damals noch recht kleinen Dorf gab es zum Beispiel drei selbstständige Schreinermeister (Karl Krieg, Georg Mann und Karl Weigle), die an dem Bau beteiligt waren. Weitere örtliche Handwerker waren Georg Kissling vom gleichnamigen Baugeschäft sowie Schmiedemeister Heinrich Abele und Sattlermeister Hermann Nothdurft. Der Gipsermeister sowie insgesamt drei Malergeschäfte und der Flaschner kamen aus den Nachbargemeinden auf die Baustelle. Für die Heizungsanlage und die Elektrotechnik zeichneten zwei Firmen aus Stuttgart verantwortlich.